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Jugendämter in Berlin: Diskriminierung ohne Sanktionen

Engagierte aus Initiativen und Sozialprojekten beraten über rassistische Strukturen bei Jugendämtern


Presseartikel verfasst von:

  • Laura Men


Unterfinanziert und angsteinflößend: Machen Jugendämter mehr kaputt, als dass sie helfen?

Foto: dpa/Matthias Hiekel


Wie kann gegen rassistische Behörden vorgegangen werden? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Teilnehmer*innen der Veranstaltung »Rassismus bei Inobhutnahmen« am Freitag in Friedrichshain. In das nd-Gebäude am Franz-Mehring-Platz hatten Berliner Initiativen wie Reachout und KOP Berlin, Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt, geladen.

»Jugendhilfemaßnahmen schaden schon durch die Angst vor Kindesentzug«, sagt Lea Ulmer, die zum Veranstaltungsthema promoviert. Die Aktivistin fordert Alternativen zur Einschaltung des Jugendamtes, die oft zu großen Schäden führe, dabei aber wenig helfe. Aus Angst vor dem Amt verzichteten Betroffene häuslicher Gewalt häufig darauf, sich Hilfe zu suchen. Als Alternative fordert Ulmer leichteren Zugang zu finanziellen und sozialen Hilfen, aber auch ein Umfeld für die Betroffenen, das erstmal nachfrage, statt sofort die Behörden einzuschalten. Zugleich brauche es rassismuskritische Fortbildungen für Polizei und Jugendämter.

Ein großes Problem stellen zudem fehlende Verständigungsmöglichkeiten zwischen Amt und Familie dar. Dolmetscher*innen sind im Kontakt nicht vorgesehen, werden aber oft dringend benötigt. Schriftlicher Kontakt erfolgt nur auf Deutsch. »Ich habe keine Dokumente jemals in anderer Sprache gesehen«, sagt Marie Melior, Anwältin für Familien-, Sozial- und Strafrecht. Oft wüssten die Betroffenen gar nicht, welche Rechte ihnen zustehen. »Es werden einfach so keine Angaben zur Unterbringung gemacht«, obwohl den Eltern diese Information zustehe, kritisiert Melior.


Hinzu kommen Sparmaßnahmen, denen die Berliner Jugendämter unterliegen. Das Jugendamt, heißt es in der Runde, schalte sich erst dann ein, wenn es eine neue Unterbringung des Kindes als notwendig ansehe. Im Berliner Frauenhaus BORA wird das ähnlich wahrgenommen. Die darauffolgenden Inobhutnahmen werden hier allerdings nicht als unangemessen wahrgenommen werden. »Ich habe bisher keine Inobhutnahme erlebt, die nicht gerechtfertigt gewesen wäre«, sagt Claudia Cohn, Geschäftsführerin des BORA e.V. zu »nd«. Die Überlastung der Ämter steige, freie Krisenplätze für Kinder seien rar und teuer.





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